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Comments

1. On Sunday, January 8 2012, 12:27 by Daniel

Guten Tag zusammen.

Um politisch korrekt zu sein beziehen sich alle Formulierungen in meinem Text auf m/w und auf Hermaphorditen.

Es ist schrecklich was euch widerfahren ist, ihr habt auf jeden Fall mein tiefstes Mitgefühl. Gerne will ich auf euch zugehen und Mitglied eurer Organisation werden. Da es sich um Befindlichkeiten handelt, die einem meist erst als direkt oder indirekt Betroffenen interessiert, ist es eure oberste Aufgabe Nähe zu schaffen. Ich versuche lediglich die Situation aus meiner Sicht zu sehen, ich möchte niemandem zu Nahe treten. Ich kann sehr wohl verstehen, das viele von euch eine Stinkwut auf Ärzte und nicht zuletzt auf die Gesellschaft haben. N.B. ihr merkt sicher schon an der Formulierung, das es schwierig für einen "Normalen" ist, euch in das Gesellschaftsdenken einzufügen. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Ärzte aus Boshaftigkeit oder aus Unwissen handeln, schon eher aus technischer Überheblichkeit. Man kann ja (fast) alles operativ korrigieren. Die Ärzte haben sich in der Vergangenheit einfach zuwenig, oder gar nicht, um die Psyche der Patienten gesorgt. Leider ist es in unserer Gesellschaft so, dass wir ausschliesslich in Schubladen denken, wer aus irgendwelchen Gründen nicht in die Schublade passt, wird zurechtgeschnippelt oder bleibt aussen vor. Für das Gesellschaftsdenken ist das Zurechtschnippeln anscheinend das kleinere Übel. Man geht wohl davon aus, einem Betroffenen so ein möglichst unauffälliges Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Da wir alle in einer Schublade stecken ist es uns fast unmöglich sich ein angenehmes Leben ausserhalb derselben vorzustellen. Denn wer von der Gesellschaft aus irgendwelchen Gründen ausgeschlossen ist, hat für uns in diesen Schubladen denkenden, immer ein sehr negativ belastetes Leben. Es braucht also sehr viel mehr, als bloss Mitgefühl. Leider fehlt euch die Lobby, die auf eure Belange auf breiter Ebene aufmerksam macht. Ich bin nur durch Zufall überhaupt auf euren Blog aufmerksam geworden. Es gab da eine Frage auf "gutefrage.net" zu diesem Thema. Ich bin sehr überzeugter Atheist, doch ist es wohl eines der Basisprobleme, dass ihr nicht von der Kirche akzeptiert seid, obwohl in der Bibel etwas anderes steht. Noch immer hat der Papst resp. die Kirche sehr grossen Einfluss auf die Gesellschaft und auf deren Gedankengut. In anderen Kulturen geht man wesentlich entspannter mit dieser Materie um. Meine Frau ist Thailänderin und in ihre Heimat sind sog. Gattoi (können sowohl Homosexuelle als auch Transsexuelle, Intersexuelle usw. sein)in der Gesellschaft akzeptiert, allerdings eher am Rande derselben. Sicherlich wird auch dort getuschelt. Hierzulande ist es leider noch immer so, dass man Angst hat sich anzustecken. Ich kann mir auch sehr gut Vorstellen, dass es sehr viele Eltern gibt, die sich sehr grosse Sorgen um die Entwicklung ihrer Kinder machen würden, sollten sie erfahren, dass ausgerechnet in der Schulklasse von ihren Sprösslingen ein "anderes" Kind zur Schule geht. Irgendwie muss man sich schämen für diese Erkenntnis, aber eben...ich bin in diesem Sinne nicht betroffen.
Ich Grüsse euch alle und freue mich auf regen Gedankenaustausch.

2. On Friday, January 13 2012, 02:52 by seelenlos

hi daniel, vielen dank für deinen kommentar. du hast natürlich recht, dass die meisten ärzte nicht "böse" sind oder es nur schon so meinen. trotzdem tragen sie wie alle menschen verantwortung für ihr tun und lassen, und je nachdem auch schuld. einige überlegungen dazu auf dem blog:
http://blog.zwischengeschlecht.info...
http://blog.zwischengeschlecht.info...

dass wir die täter unumwunden als solche bezeichnen und auch sonst mit "lauten" worten belegen, hat einerseits damit zu tun, dass betroffene es mehr als lange genug freundlich und und in zimmerlautstärke versucht haben, dies jedoch offensichtlich bei den medizynern nichts fruchtet. andrerseits ist es ein mittel, das tabu zu brechen und den konflikt überhaupt erst öffentlich zu machen.

"Zum Sichtbarer werden gehört auch, dass die stille Scham erst in Wut umschlagen kann. Und die Kanalisierung in konstruktive Bahnen ist dann noch ein weiterer Weg."
http://diskurs.ethikrat.org/2011/07...

ich denke auch, dass auf menschen, die "nicht in die schubladen passen", aus der reihe tanzen oder sonst irgendwie "auffällig" sind, "in der gesellschaft" tendenziell ein "negativ belastetes leben" wartet (obwohl manche zwitter übrigens auch "unbehandelt" nicht weiter auffallen). dieses problem darf keinesfalls ignoriert werden.

jedoch: praktisch alle betroffenen, die sich öffentlich äussern, berichten, dass die zwangsoperationen sie vor dieser problematik nicht schützten, sondern sie womöglich noch verstärkte, plus die die weitere körperlichen und seelischen negativen "nebenwirkungen". deshalb fordern betroffene seit langem, dieses reale problem müsse (statt mit untauglichen und gefährlichen ops) vielmehr adäquat angegangen werden mit peer support und psychosozialer unterstützung für eltern und betroffene.

und es gibt mehr und mehr berichte von eltern und betroffenen, dass der von den medizynern regelmässig an die wand gemalte angstszenario "gesellschaftlicher supergau" in dieser form gar nicht nicht stattfindet, so lange offen und selbstbewusst mit der problematik umgegangen wird.

(und es gibt berichte von nicht operierten zwittern, auch schon von bevor die ops 1950 flächendeckend eingeführt wurden, dass sie diese herausforderung, ggf. "anders" zu sein, nicht nur gemeistert haben, sondern dadurch fähigkeiten und gefestigte persönlichkeiten erlangten, die klar über dem durchschnitt gewöhnlicher "normalos" lagen.)

eltern, die sich um ihren "normalen" sprössling sorgen machen, wenn er mit zwittern in kontakt käme, kennen meist keine realen zwitter, sondern tun dies aus ängsten heraus, die meist gegenstandslos werden, wenn sie erst herausfinden, dass zwitterkinder menschen sind wie alle anderen auch, inkl. sie selber und ihre eigenen kinder.

meine erfahrung als solidarischer nicht-zwitter ist, dass als kinder zwangsoperierte an diesen operationen leiden, ebenso wie am lebenslangen "sich verstecken müssen", und dass "offen" lebende zwitter in der regel eher weniger als mehr probleme haben mit der "gesellschaft" und umgekehrt.

und oft auch ein besseres verhältnis zu ihren eigenen eltern, wie thea hillman das schön beschreibt in ihrem gedicht "What I wish my mom had known"
http://www.dsdguidelines.org/htdocs...

vielen dank für deine unterstützung!

hg seelenlos